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Spanien: Polizei beschlagnahmt Wahlurnen

Spanien: Polizei beschlagnahmt Wahlurnen”

90 Prozent der Wähler in Katalonien hatten am Sonntag für die Loslösung der Region von Spanien gestimmt, wie die Regionalregierung in Barcelona mitteilte. Seit Wochen hatte die Zentralregierung in Madrid versucht, die Befragung mit allen Mitteln zu verhindern. Hunderte Personen wurden verletzt. Die Beamten hätten Software zerstört, die für die Übermittlung der Ergebnisse aus den Wahllokalen entwickelt worden sei und für Anträge zur Stimmabgabe per Internet. So verlangte der Vorsitzende der katalanischen Sozialdemokraten, Miquel Iceta, den sofortigen Rücktritt von Puigdemont und Rajoy und Neuwahlen sowohl in der Region als auch auf Nationalebene. Der spanische Außenminister nannte die Gewalt unglücklich, aber angemessen. Wegen der "schweren Verletzung von Rechten und Freiheiten" der Katalanen während des Volksentscheids solle die ganze Region an diesem Tag die Arbeit ruhen lassen, erklärten die Organisationen am Sonntagabend. Ziel seien nicht die Stimmberechtigten gewesen. Die Polizei beschlagnahmte Wahlurnen und Stimmzettel. Die katalanische Regierung beziffert die Zahl der Verletzten mittlerweile auf 893. Die katalanische Regionalpolizei Mossos d'Esquadra, die in der Region verwurzelt und angesehen ist, war vor dem Referendum Madrid unterstellt worden. Die EU hat damit der Regierung in Madrid den Rücken gestärkt. Viele Webseiten wurden gesperrt. Das erste sollte als rechtliche Grundlage für die Abstimmung vom 1. Oktober dienen. Zudem sei der Internetzugang mancher Wahllokale abgeschnitten worden. Die gut 5,3 Millionen eingetragenen Wahlberechtigten sollen ihre Stimme bis 20.00 Uhr abgeben dürfen. Die spanische Polizei war gewaltsam gegen die Abstimmung vorgegangen, mehr als 800 Menschen wurden verletzt. Der Ministerpräsident reagiere "auf ein politisches Problem mit dem Ausnahmezustand wie einst die Franco-Diktatur", kommentiert die Zeitung mit Verweis auf den brutalen Polizeistaat des spanischen Diktators Francisco Franco. Ebenfalls in Girona brachen spanische Polizisten die Türen eines Wahllokals auf.

"Wenn die katalanischen Klubs das bekommen, dann werden sie nicht in der spanischen LaLiga spielen können". Anwesende Stimmberechtigte sangen die katalanische Hymne. Puigdemont gab später seine Stimme an einem anderen Ort ab. Im Museum für Geschichte in Barcelona enthüllten Dutzende von Feuerwehrleuten ein Riesenbanner mit der Aufschrift "Love Democracy". "Der massive Polizeieinsatz gegen die Menschen, die wählen wollen, ist ein Fehler", sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

"Ich bin früh aufgestanden, weil mich mein Land braucht", sagte Eulalia Espinal, eine 65-jährige Rentnerin, die sich im Regen mit etwa 100 anderen bereits gegen fünf Uhr morgens vor einer Schule in Barcelona eingefunden hatte.

"Geben wir ihnen keine Entschuldigung". Kundgebungen der Gegner des Referendums und der Unabhängigkeit gab es in Barcelona allerdings kaum. Ein Gericht in Spanien hat die Abstimmung verboten.

Haltung der Referendums- und Unabhängigkeitsgegner in Katalonien: Diejenigen unter den Katalanen, die gegen die Unabhängigkeit oder auch "nur" gegen die Abhaltung eines illegalen Referendums sind, wollen nicht teilnehmen. Beim Match trugen sie dann aber ihre traditionellen Barcelona-Trikots. Eine Steilvorlage für die katalanische Regionalregierung: Welt, sieh her, so werden friedliche Katalanen von einer wild gewordenen spanischen Regierung behandelt.



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